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GERMANIA – VEREINSCHRNIK ZUM 110jhr. BESTEHEN
Eine Rede von Herrn Manfred Kelleter anlässlich der Jubiläumsmatinee am 21. März 2010 in der Stadthalle St. Ingbert
Sehr geehrte Gäste, liebe Freunde des Chorgesangs.
110 Jahre Gesangverein Germania sind es sicher
wert, einmal zurückzublicken auf de Ursprünge
und die Entwicklung dieses traditionsreichen Vereins. Es begann um die Wende des
vorigen Jahrhunderts,
also um 1900, als sangesfreudige Männer sich in einer Gaststätte zusammenfanden
und einen Verein mit dem
Namen „so semmer“ gründeten. Dieser Verein diente zuerst der Pflege der
Geselligkeit und daraus ging dann
der Männergesangverein Germania hervor.
Um diese Zeit hatte sich in Deutschland ein
gewisser Nationalstolz und Patriotismus entwickelt, die dazu
führten, dass sowohl Wander- als auch Gesangvereine wie Pilze aus dem Boden
schossen. So entfaltete sich
ein reiches, volkstümliches Kulturleben auch in St. Ingbert, welches damals im
deutschen Staatenbund zum
bayrischen Königreich gehörte. Darauf sind manche Dengmerter heute noch stolz
und das waren auch die alten
Sänger des MGV Germania, der im Laufe der Zeit zu einem stattlichen Gesangverein
heran wuchs und in den dreißiger
Jahren mit 125 aktiven Sängern und insgesamt ca. 500 Mitgliedern eine
beachtliche kulturelle Institution in
unserer Stadt wurde (St. Ingbert hatte damals 20 – 25. 000 Einwohner).
Der zweite Weltkrieg unterbrach dann abrupt
die Aktivitäten des MGV Germania sowie die vieler anderer Vereine.
Erst nach 1945 ging es langsam wieder aufwärts. Hierzu sei noch zu vermerken,
dass nach dem Einmarsch der
Alliierten der Verein seinen Namen auf Druck der französischen Besatzer in MGV
Liedertafel ändern musste.
Das damalige Vereinslokal war die Gambrinushalle, wo zuvor die einmarschierenden
Amerikaner die kostbare
Vereinsfahne aus einer Vitrine entwendet hatten. Nach und nach änderten sich die
politischen Verhältnisse und
einige Jahre danach wurde der Name „MGV Germania“ wieder offiziell genehmigt.
Das erfreute die Sänger und vor
allem die älteren wollten wieder eine Vereinsfahne, mit deren Entwurf ich ich
beauftragt wurde. Dieser Entwurf
wurde in der Vorstandssitzung begutachtet und genehmigt. Danach wurde die neue
Vereinsfahne in einer Kunststickerei
hergestellt. Diese Fahne existiert heute noch.
Mit dem Verein ging es steig aufwärts und
bereits im Jahre 1950 erfolgte die Aufführung der deutschen Messe
von Franz Schubert in der Josefskirche mit über 100 Sängern, sowie im Jahre 1953
ein Schubertkonzert im
Regina-Theater. Diese Aufführungen waren bedeutende Ereignisse und bestätigten
der Öffentlichkeit die
herausragenden Fähigkeiten des Chores als großen Klangkörper. Die Germania, wie
man sie nun nannte, hatte
einen guten Ruf und war in aller Munde. Die Chorproben waren stets gut besucht
und in den sechziger Jahren
entfaltete sich dann ein reges Vereinsleben, woran sowohl die guten Vorstände
als auch die hervorragenden
Dirigenten großen Anteil hatten. Insbesondere gilt es zu erwähnen die Dirigenten
Ludwig Gräf, Albert Süßdorf
sowie Hans Joachim Hoffmann und Isabell Hällmayr. Konzerte, Sängerfahrten und
sonstige Veranstaltungen
trugen dazu bei, dass der MGV Germania zu einer verschworenen Gemeinschaft
wurde, in der alle am gleichen
Strang zogen.
Es war eine schöne ereignisreiche Zeit in den
sechziger Jahren, welche ich teilweise während meiner
aktiven Mitgliedschaft erleben durfte und die ich nicht missen möchte. Die
Singstunden nach den offiziellen
Singstunden gehören heute zu meinen schönsten Erinnerungen. Als damals noch
junger Sänger konnte ich in
dieser Zeit noch einige der stolzen alten Sängerpatriarchen und ihre
sprichwörtliche Verbundenheit zu ihrer
Germania erleben, bis sie dann nach und nach mit großen Pathos, d. h. mit
Grabrede und Chorgesang, wie
damals üblich, zu Grabe getragen wurden.
Es waren bewegende Momente, ebenso bewegend
wie die Liedvorträge von Franz Schubert und
Friedrich Silcher im sprichwörtlichen „Germania-Piano“ unter Leitung von Ludwig
Gräf. Leider wurde die
Anzahl der Sänger dann im Laufe der Jahre aufgrund zeitlicher Umstände immer
geringer. Sie nahm in den
siebziger Jahren so rapide ab, dass sich der MGV Germania im Jahre 1980
gezwungen sah, die Gründung
eines gemischten Chores auszurufen. Diesem Aufruf folgten zur ersten Chorprobe
am 15.9.1980 30 Frauen
und 27 Männer, also eine durchaus beachtliche Anzahl. Was damals eher Zwang als
Freiwilligkeit war,
nämlich Frauen mitsingen zu lassen, um den Verein am Leben zu erhalten, erwies
sich im Laufe der Jahre
als Glücksgriff. Mittlerweile haben die Frauen im Verein die Oberhand gewonnen.
Warum soll es auch im
Verein anders sein als zuhaue. Da ab 1980 die Frauen im Verein mitregierten
entschied man aus dem
MGV Germania einen GV Germania zu machen, was dem verein in keiner Weise
schadete.
Verehrte Anwesende, um einen Verein 110 Jahre
am Leben zu erhalten, bedurfte es stets des unermüdlichen
Einsatzes aller Sängerinnen und Sänger und so möchte ich heute einmal die Namen
hervorheben, welche
die Geschicke des Vereins wesentlich mitbestimmten. Außer den bereits zuvor
genannten Dirigenten, als
ersten Herrn Johann Leonhardt, der zu den Gründungsmitgliedern gehörte und dem
Verein als erster
Vorsitzender um das Jahr 1900 vorstand. Zum zweiten Herr Peter Matthieu, der vor
und nach dem zweiten
Weltkrieg Dirigent war, also in der Zeit als der Verein die meisten aktiven
Sänger hatte. Danach haben unter
anderem viele gute Vorstände wie z.B. Armin Steinfeltz, Peter Scheuer und später
Werner Jungbär, der
Vater des heutigen Vorsitzenden, hervorragende Arbeit geleistet. Werner Jungbär,
der dem Verein mehr
als 20 Jahre als erster Vorsitzender vorstand, wurde deshalb zum
Ehrenvorsitzenden ernannt, sowie der
Dirigent Hans Joachim Hoffmann zum Ehrendirigenten. Dieser war maßgeblich an der
Umwandlung zu
einem gemischten Chor beteiligt. Heute befindet sich der GV Germania bei
Hans-Werner Jungbär und
Dirigentin Dorothée Bost-Kattler in den besten Händen und ist so auch künftig in
Freud und Leid zum Lied
bereit. Auch ihnen gebührt Dank für ihre unermüdliche Arbeit zum Wohle des
Vereins.
Hohes Lob verdient auch Herr Heinz Klemmer, der im Jahre 2008 für 30 Jahre
Tätigkeit im Vorstand mit der
Verdienstmedaille geehrt wurde.
Bevor ich diesen historischen Rückblick
beende, möchte ich noch erwähnen, dass der GV Germania in den
letzten 30 Jahren als gemischter Chor die Stadt St. Ingbert bereits mehrmals im
Ausland erfolgreich und würdig
vertreten hat. Für die damals teilnehmenden Sänger bleiben die Konzertreisen
nach Wien, Salzburg und in
die Toskana unvergessen, so wie auch die früheren Fahrten nach Rottweil,
Schwetzingen und die damalige DDR.
Sehr geehrte Anwesende, ich danke Ihnen für
Ihre Geduld und Aufmerksamkeit beim Vortrag dieser
Vereinschronik und möchte zum Schluss meine Ausführungen mit ein wenig Poesie
ausklingen lassen.
GERMANIA
Dein Name bringt mein Herz noch heut zum
Schwingen,
Und dabei denke ich nicht nur ans Singen,
Nein, auch an die schönen alten Zeiten,
Die mich mein ganzen Leben lang begleiten.
Die alten Freunde und die alten Lieder,
Die kommen sicher niemals wieder.
Doch die Erinnerung daran ist schön wie nie,
Und was dazu für immer bleibt, die Nostalgie.
Manfred Kelleter, St. Ingbert, 21.3.2010